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Bevor Sie in eine Wohngemeinschaft einziehen oder für Ihre Angehörigen bzw. eine betreute Person eine solche Wohnform suchen, sollten Sie sich einige Fragen stellen, die für das zukünftige Zusammenleben in einer gemeinschaftlichen Wohnform für Menschen mit Pflege- oder Assistenzbedarf relevant sind. Die Leitfragen bieten hierzu einen guten Überblick über die wichtigsten Aspekte, die vorab geklärt werden sollten.
Dieser Fragenkatalog dient Ihnen als wertvolle Orientierungshilfe für Informationsgespräche mit Anbietern oder bestehenden Wohngemeinschaften. Er umfasst zentrale Themenbereiche wie:
Konzeptionelle Ausrichtung: Welche Philosophie verfolgt die WG und wie wird sie im Alltag gelebt?
Quartier und Wohnung: Wie ist die Wohnform in die Nachbarschaft eingebunden und wie sind die Räumlichkeiten (sowohl Gemeinschafts- als auch Individualflächen) ausgestattet?
Hauswirtschaft und Betreuung: Wer übernimmt Aufgaben wie Kochen, Putzen und Einkaufen, und wie werden die Mieterinnen und Mieter dabei eingebunden? Wie sieht die Tagesstruktur aus und welches Betreuungskonzept wird angewandt?
Kosten und Verträge: Welche Ausgaben (Miete, Nebenkosten, Haushaltskasse, Pflege- und Betreuungskosten) kommen auf Sie zu und wie sind die vertraglichen Rahmenbedingungen gestaltet?
Bevor Sie in eine Wohngemeinschaft einziehen oder für Ihre Angehörigen eine solche Wohnform suchen, sollten Sie zentrale Fragen des zukünftigen Zusammenlebens klären. Eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft basiert auf geteilter Verantwortung und fordert ein kontinuierliches, verbindliches Engagement der Angehörigen ein. Um ein selbstbestimmtes Leben zu gewährleisten, schließen sich die Mieter*innen (bzw. deren rechtliche Vertretungen) meist als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) zusammen und regeln ihren Alltag über eine verbindliche WG-Vereinbarung.
Dieser vertragliche und organisatorische Rahmen bietet eine wertvolle Orientierungshilfe für Informationsgespräche. Folgende zentrale Themenbereiche sollten Sie vorab prüfen:
Konzeptionelle Ausrichtung & Mitbestimmung: Wie wird die Autonomie der Gemeinschaft im Alltag tatsächlich gelebt und vertraglich gesichert? Gibt es regelmäßige Versammlungen (z. B. mindestens einmal im Quartal), in denen die Gemeinschaft Entscheidungen trifft, und wählt die WG eine Sprecherin oder einen Sprecher für die Vertretung nach außen?
Hauswirtschaft & Gemeinschaftsfinanzen: Wie organisiert die Gruppe die gemeinsame Haushaltskasse für Aufwendungen, Instandhaltungen und gemeinschaftliche Rücklagen? Werden eine Kassenführung und eine Kassenprüfung transparent von der Mietergemeinschaft gewählt und entlastet?
Betreuungskonzept & Pflegedienste: Bleibt das Recht auf freie Dienstleisterwahl für die individuelle Pflege bestehen, auch wenn sich die Gemeinschaft aus organisatorischen oder wirtschaftlichen Gründen (mit absoluter Mehrheit) für einen gemeinsamen Betreuungsdienst entscheidet? Wie wird die Tagesgestaltung in Zusammenarbeit mit diesem Dienstleister umgesetzt?
Aufnahmeverfahren & Grenzen der Versorgung: Besitzt die Mietergemeinschaft ein vertraglich verankertes Mitsprache- und Vorschlagsrecht gegenüber der Vermietung, wenn neue Mitbewohner*innen einziehen sollen? Sind freiheitsentziehende Maßnahmen (wie das Abschließen von Türen) konsequent ausgeschlossen und wie geht die Gemeinschaft vor, wenn der Pflegebedarf einer Person die personellen oder fachlichen Möglichkeiten der Wohngemeinschaft dauerhaft übersteigt?
Das vorliegende Dokument ist ein Muster-Konzept für ambulant betreute Wohnformen nach § 8 des Selbstbestimmungsstärkungsgesetzes (SbStG). Es dient als praktische Vorlage, um ein eigenes, maßgeschneidertes Wohnkonzept für eine Wohngemeinschaft zu formulieren.
Die Nutzung dieses Musterkonzepts ist aus folgenden Gründen besonders sinnvoll:
Erfüllung gesetzlicher Anforderungen: Das Dokument ist so strukturiert, dass es die spezifischen Themen des SbStG aufgreift und Initiator*innen dabei unterstützt, diese Vorgaben in ein eigenes, rechtskonformes Konzept zu übersetzen.
Schaffung von Transparenz: Ein ausformuliertes Konzept macht für potenzielle Mieter*innen, Angehörige und Pflegedienste klar nachvollziehbar, wie das Zusammenleben, die Mitbestimmung und die Unterstützungsleistungen im Alltag organisiert sind.
Klarheit gegenüber Behörden: Gegenüber externen Stellen, insbesondere der Wohn-Pflege-Aufsicht, dient das Konzept als strukturierter Nachweis über die Ausrichtung der Wohnform und die gelebte Selbstbestimmung.
Praktische Orientierungshilfe: Durch konkrete Textbeispiele zu zentralen Themenbereichen – wie Zielgruppe, Alltagsregelungen, Gewaltprävention und Konfliktlösung – liefert das Muster wertvolle Impulse für genau die Fragestellungen, die bei der Gründung einer WG zwingend geklärt werden müssen.
Musterkonzeption für die Initiierung einer Wohngemeinschaft nach § 8 SbStG
Dieses Dokument bietet einen Mustervertrag für die Beauftragung einer sogenannten Präsenzkraft (oder koordinierenden Person) in einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft. Er dient der Mietergemeinschaft als Vorlage und als Nachweis, um bei der zuständigen Pflegekasse den Wohngruppenzuschlag in Höhe von aktuell 224 Euro pro anspruchsberechtigter Person zu beantragen.
Das Dokument umfasst folgende wesentliche Aspekte:
Aufgabenfestlegung: Die Gemeinschaft kann im Vertrag konkret und individuell definieren, welche Bereiche und Aufgaben abgedeckt werden sollen. Zu den wählbaren Tätigkeiten gehören beispielsweise die Koordination des Betreuungsteams, die Unterstützung bei der Terminkoordination (Arztbesuche, Friseur, Therapeuten etc.) sowie die Planung und Koordination von Ausflügen und Festen.
Trennung von der Pflege: Es wird vertraglich eindeutig abgegrenzt, dass durch diese Mittel ausschließlich organisatorische, verwaltende und gemeinschaftsfördernde Aufgaben finanziert werden – individuelle Betreuungs- und Pflegetätigkeiten sind davon strikt ausgenommen.
Bürokratieabbau im Alltag: Das Musterdokument enthält praktische Anhänge, wie etwa eine einfache Beitrittserklärung oder ein Formular für den Personalwechsel. Wenn eine neue Person in die Wohngemeinschaft einzieht oder die zuständige Präsenzkraft wechselt, muss so nicht jedes Mal ein komplett neuer Vertrag für die gesamte Gruppe aufgesetzt werden.
Mustervertrag zur Beauftragung einer Präsenzkraft nach § 45f SGB XI
Wichtiger Hinweis zur Aktualität: Da dieses Dokument auf einer älteren Broschüre basiert, sind die darin erwähnten gesetzlichen Rahmenbedingungen (wie das Selbstbestimmungsstärkungsgesetz/SbStG oder die Landesbauordnung/LBO) sowie die genannten Förderprogramme nicht mehr auf dem aktuellen Stand.
Der zeitlose und hohe Wert dieses Leitfadens liegt jedoch in der detaillierten Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Zusammenleben: Er rückt die geteilte Verantwortung, die gemeinschaftlichen Aufgaben und die konkrete Wohnraumgestaltung in den Fokus und hilft künftigen Mieter*innen sowie deren Angehörigen, vor einem Einzug die wirklich entscheidenden Fragen zu stellen.
Der Katalog umfasst dabei folgende zentrale Themenbereiche:
Konzeption und Verantwortung: Welche Philosophie wird im Alltag gelebt, an welche Zielgruppe richtet sich die WG und welche Erwartungen werden an das Engagement der Mieter*innen und ihrer Zugehörigen gestellt?
Quartier und Wohnraum: Wie gut ist die WG in die örtliche Nachbarschaft eingebunden und wie barrierefrei sowie funktional sind die Gemeinschafts- und Individualflächen gestaltet?
Hauswirtschaft und Betreuung: Wer übernimmt alltägliche Aufgaben wie das Kochen, Putzen oder Einkaufen, wie werden die Mieter*innen aktiv in diese Prozesse einbezogen und wie sieht das konkrete Betreuungs- und Personalkonzept aus?
Kosten und Verträge: Wie setzen sich die Kosten aus Miete, gemeinschaftlicher Haushaltskasse und Pflegeleistungen zusammen und sind die Verträge für Wohnen und Dienstleistungen sauber voneinander getrennt?
KIWA Broschüre “Gepflegt alt werden - selbstbestimmt und privat leben”
(Hinweis: Eine grundlegend aktualisierte Neuauflage der Broschüre befindet sich derzeit in Bearbeitung und erscheint voraussichtlich Ende 2026.)