Beratung für Anbieter, Kommunen und Initiatoren
Die KIWA (Koordinationsstelle für innovative Wohn- und Pflegeformen im Alter und für Menschen mit Assistenzbedarf) bietet in ganz Schleswig-Holstein eine unabhängige, neutrale und kostenfreie Beratung zur Förderung und Umsetzung zukunftsweisender Wohnkonzepte. Im Zentrum der Beratung stehen ambulant betreute Wohngemeinschaften (nach § 8 SbStG).
Das Beratungsfeld der KIWA umfasst passgenaue Unterstützungsangebote für unterschiedliche Zielgruppen, um Synergien zu schaffen und die Daseinsvorsorge in Zeiten des demographischen Wandels gemeinschaftlich zu sichern:
- Für Pflegedienste und Leistungsanbieter: Die Beratung konzentriert sich auf die Konzeptionierung und wirtschaftliche Realisierung von Wohnformen. Die KIWA unterstützt bei der strategischen Planung von Synergieeffekten, wie der hocheffizienten Ressourcenbündelung durch das „Poolen“ von Pflegeleistungen an einem Ort und der Refinanzierung über Wohngruppenzuschläge (§ 45f SGB XI). Zudem wird aufgezeigt, wie solche Wohnkonzepte durch wegfallende Fahrtwege und entschleunigte Bezugspflege als Wettbewerbsvorteil zur Mitarbeitergewinnung genutzt werden können. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Begleitung bei der rechtssicheren Trennung von Miet- und Dienstleistungsverträgen.
- Für Kommunen, Quartiersentwickler und Investoren: Die KIWA begleitet Kommunen bei der sozialraumorientierten Quartierspflege und der Sicherung der lokalen Daseinsvorsorge. Die Beratung zeigt auf, wie durch die intelligente Umnutzung von Bestandsimmobilien (z. B. leerstehende Einfamilienhäuser oder ehemalige Gewerbeflächen) ressourcenschonend neuer Wohnraum geschaffen werden kann. Ein zentrales Thema ist die Lösung der „Empty Nester“-Problematik im ländlichen Raum: Durch die Etablierung gemeinschaftlicher Wohnangebote für Senioren wird der Altersvereinsamung – und dem damit drastisch steigenden Demenzrisiko – präventiv entgegengewirkt, während gleichzeitig Bestandsimmobilien für junge Familien freigesetzt werden.
Ein Fallbeispiel für Synergien zwischen Kommunen und Dienstleistern
Senior*innen WG im ländlichen Raum
Die Sicherstellung der lokalen Daseinsvorsorge ist heute eine der drängendsten Aufgaben – und sie stellt alle Akteure vor große Hürden. Anbieter von Pflege- und Assistenzleistungen kämpfen mit akutem Personalmangel und komplexen Refinanzierungsbedingungen. Kommunen stehen gleichzeitig vor der Herausforderung, eine verlässliche Versorgung vor Ort zu gewährleisten, während die Kosten stetig steigen.
Bei der KIWA sind wir davon überzeugt, dass sich diese komplexen Probleme am besten gemeinsam lösen lassen. Wir entwickeln mit Ihnen innovative, zukunftsfähige Lösungsansätze und beraten Sie bei Ihrem Anliegen stets kostenfrei und unabhängig.
Welche enormen Potenziale in der bedarfsgerechten Versorgung liegen, zeigt das folgende Fallbeispiel aus dem ländlichen Raum, das angesichts des demographischen Wandels zunehmend an Bedeutung gewinnt:
Die Ausgangslage: Ineffiziente Wohnraumnutzung und Einsamkeit
Immer häufiger leben ältere Menschen – oft nachdem der Lebenspartner verstorben ist – allein in großen Einfamilienhäusern oder Bungalows (sogenannte „Empty Nester“). Viele würden sich räumlich gern verkleinern, finden aber in ihrem vertrauten Lebensumfeld schlichtweg kein passendes Angebot. Gleichzeitig isolieren sie sich zunehmend.
Genau hier bietet eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für Menschen mit niedrigen Pflege- und Betreuungsbedarfen eine wertvolle Perspektive. Vorhandene Immobilien – insbesondere ebenerdige Bungalows, aber auch klassische Einfamilienhäuser – lassen sich durch intelligente Neugestaltung ideal für kleine Gemeinschaften umnutzen.
Für Kommunen: Prävention statt teurer Sonderbauten Für die Kommune hat die Schaffung solcher Wohnformen einen doppelten Mehrwert. Zum einen holt sie ältere Menschen aktiv aus der Einsamkeit und stoppt eine fatale Abwärtsspirale. Soziale Isolation ist ein massiver Risikofaktor für Demenzerkrankungen. Prävention durch Gemeinschaft ist hier der effektivste Hebel:
- Erhöhtes Risiko: Einsamkeit steigert das Risiko für Alzheimer um 39 Prozent und für vaskuläre Demenz sogar um 73 Prozent.
- Nachweislicher Schutz: Eine aktive soziale Einbindung senkt das Erkrankungsrisiko hingegen um 31 Prozent.
- Alltagsstruktur: Gemeinschaftliche Wohnformen stoppen die Abwärtsspirale der Isolation durch automatische, tägliche Alltagsreize.
Gelingt diese Prävention nicht, stehen Kommunen später vor dem ungleich größeren Problem, hochkomplexe Demenz-WGs im ländlichen Raum realisieren zu müssen – was aufgrund hoher baulicher Sonderbauanforderungen und extremen Personalmangels oft kaum noch leistbar ist. Es ist für Kommunen also strategisch und wirtschaftlich sinnvoll, frühzeitig präventive Wohnkonzepte zu forcieren.
Für Pflegedienste: Effizienz, Planbarkeit und attraktive Arbeit Im ländlichen Raum binden lange Fahrtwege enorm viel Arbeitszeit, die letztlich nicht am Menschen selbst geleistet werden kann. Für die Anbieter liegt die Lösung im „Poolen“ von Leistungen: Die Konzentration der Versorgung in einer Wohngemeinschaft ermöglicht deutlich mehr Zeit bei den Menschen vor Ort, bei gleichzeitig hoher Wirtschaftlichkeit.
Darüber hinaus schafft diese Arbeitsweise attraktivere Rahmenbedingungen für das dringend gesuchte Pflegepersonal. Es entstehen Arbeitsplätze, die den eigentlichen Kern der Pflege wieder in den Fokus rücken: Den echten, zwischenmenschlichen Kontakt ohne ständigen Zeitdruck auf der Straße.
Die Synergie: Ein sich selbst verstärkender Kreislauf Wenn Kommunen und Pflegedienste kooperieren, profitieren beide Seiten von weitreichenden Synergieeffekten. Ziehen ältere Menschen in eine passgenaue WG, werden große Bestandsimmobilien im Ort frei. Diese ziehen junge Familien an, die den ländlichen Raum beleben und im Idealfall dringend benötigte neue Fachkräfte für den lokalen Arbeitsmarkt (auch für den Pflegesektor) mitbringen.
Herausforderungen offen begegnen: Der Weg in die Gemeinschaft Beide Seiten profitieren enorm von diesem Konzept. Dennoch muss auch den berechtigten Sorgen Raum gegeben werden: Im hohen Alter das eigene, individuelle Zuhause zu verlassen, um mit fremden Menschen zusammenzuziehen, kostet Überwindung.
Erfahrungsgemäß fällt es Menschen deutlich leichter, in eine bereits gelebte, funktionierende Gemeinschaft einzuziehen, als Teil einer völligen Neugründung zu sein, bei der noch unklar ist, worauf man sich einlässt. Aller Anfang ist schwer – doch dass dieses Konzept in der Realität wunderbar funktioniert und lebendige Gemeinschaften schafft, zeigt der folgende Film. Es braucht lediglich mutige Akteure aus Kommunen und der Pflege, die den ersten Schritt gehen und diese Konzepte gemeinsam umsetzen wollen.
